KiEBiZ e.V. - Kinder- und Erwachsenen-BildungsZentrum
KiEBiZ e.V. - Kinder- und Erwachsenen-BildungsZentrum

Kilian ist ein Kleiner Strolch - ein besonderer Erfahrungsbericht


Kurz vor 9 Uhr, Kilian muss noch schnell aus den Schuhen raus, denn er kann es gar nicht erwarten zu den anderen kleinen Strolchen zu kommen, die er schon spielen hört. Schnell die Tür auf und Kilian robbt los (laufen und krabbeln geht noch nicht). Schnell zu den Kindern, schauen, mit was sie spielen, mitmachen! Und dann mit dem Bobby-Car durch die Gegend flitzen, am besten um die Wette. Bei der Brotzeit schmeckt der Proviant vom Nachbarskind sowieso am besten und es gibt einen regen Austausch der mitgebrachten Leckereien. Danach ab ins Spielhaus, mit den Küchensachen hantieren, durchs Fenster schauen und lachen und die Kartoffel  rausschmeißen…

Ein fröhliches Kind in einer Gruppe mit anderen Kindern! Dabei sah Kilians Lebensperspektive anfangs ganz anders aus.

 

Als Kilian im September 2011 geboren wurde, war er ein Überraschungsbonbon für seine 18-jährige Mama und den Rest der Familie. Er ist ein Kind mit Down-Syndrom. Als er dann acht Monate alt war, wurde zusätzlich noch Pulmonale Hypertonie diagnostiziert. Dies ist eine sehr seltene, sehr schwere und eigentlich unheilbare Erkrankung der Lunge und des Herzens. Bei der Entlassung aus dem Herzzentrum bekam Kilian viele Medikamente und eine Rund-um-die-Uhr-Sauerstoffversorgung mit nach Hause. Uns wurde eingeschärft, ihn möglichst von jeder Infektionsquelle fern zu halten, da jeder Husten seinen Zustand dramatisch verschlimmern könne. D.h. möglichst wenig Kontakt mit anderen Menschen, keine Krabbelgruppe, kein Shoppen im Einkaufszentrum, kein Kindergarten….

Natürlich berücksichtigten wir diese Ratschläge. Gleichzeitig begannen wir aber auch, zusätzlich zur Schulmedizin, Kilian alternativmedizinisch behandeln zu lassen. Dadurch stabilisierte sich sein Zustand so weit, dass wir es wagten, ihn in die Welt hinaus zu lassen und ihm den Kontakt mit Gleichaltrigen zu ermöglichen. Für die „Strolche“ haben wir uns entschieden, da die geringe Kinderanzahl, die großzügigen und gut belüfteten Räumlichkeiten und die Offenheit der KiEBiZ-Mitarbeiterinnen ein Kind mit Behinderung und Sauerstoffgerät aufzunehmen, uns überzeugte.

 

Und so ging Kilian ab Januar 2013 mit mir, seiner Oma, einem tragbaren Sauerstoffgerät und einem 9-Meter-Schlauch jeden Dienstagvormittag zu den Strolchen. Die anderen Kinder nahmen ihn, wie er ist, und passten auf, sich nicht im Sauerstoffschlauch zu verheddern (und die Oma passte mit auf…).

Anfangs beobachtete Kilian das Geschehen noch aus sicherer Position in Omas Nähe. Mit der Zeit wurde er mutiger und vertraut mit den Betreuerinnen und sein Gesundheitszustand verbesserte sich so weit, dass er den Sauerstoff jetzt nicht mehr braucht.

 

Im neuen Jahr wird er nun zwei Mal in der Woche „Strolchen“ und die Oma kann erst mal stundenweise, bald vielleicht auch ganz, die Gruppe verlassen und Kilian hat  einen wichtigen Schritt in die Selbständigkeit geschafft, den vor gut einem Jahr niemand für möglich gehalten hätte!

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Bildungszentrum

Diese Homepage wurde mit 1&1 MyWebsite erstellt.